Das Montafon und seine Berge
Während wir über den Silvrettagletscher emporstiegen begann es zu tagen.
Ein Morgen auf dem Gletscher ist immer seltsam feierlich, und wenn wir alt genug geworden sind, um rückschauend wertegerecht abzuschätzen, dann überkommt uns eines Tages die Erkenntnis, dass es mit dem Morgen eines großen Bergtages ist wie mit dem Lebensmorgen: so ungleich bedeutsamer die Lebenshöhe, die Gipfelstunde erscheint.
Und jener Gletschermorgen war feierlicher den je. Waren wir eben noch im engen, aber warmen Kreis der Laterne durch das Dunkel geschritten, so entfaltete sich jetzt, nach einer langen, ahnungsvollen Vorankündigung des Tages am Westhimmel eine wundersame Erscheinung: die ganze Breite des westlichen Viertels überlagerte eine zarte, schleierdünne Dunstwolke, die vom Horizonte durch einen meergrünen Streifen des Himmels getrennt war. Das Meergrün ging oben in ein feuriges Blau über und dies verschmolz mit der wunderbaren kaminroten Wolkenfarbe in weichem Violett. Dann kam feierlich das Licht selber hoch aus dem Himmel herabgestiegen, entflammt den Beherrscher des Westens, den mächtigen weißköpfigen Tödi und schlug zuletzt auch unseren Berg in seinen Feuerbann.
Zwischen dieser enthusiastischen Beschreibung einer Bergtour in der
Silvretta und dem heutigen Tag liegen mehr als achtzig Jahre. Trotz
vielfältiger Erschließung des Gebietes durch Hütten und Verkehrswege
haben Bergtouren in der Silvretta nichts von ihrer Schönheit und ihrem Reiz verloren. Wir, die Montafon Guides, begleiten sie gerne und machen ihre Tour zu einem Bergerlebnis.

